Hörnle-Unterbringung würde Integration erschweren

12. Februar 2016  Konstanz

Die Konstanzer Stadtverwaltung plant, in der Tennishalle am Hörnle Flüchtlinge unterzubringen. Gegen die Standortwahl ist – soll man sagen: selbstverständlich – umgehend Protest laut geworden. Neben der inzwischen sattsam bekannten Vorbehalte (nicht nur) von AnwohnerInnen, die um Grundstückswerte bangen, ein Ende des Naherholungsgebiets voraussagen oder gleich eine Zunahme der Kriminalität herbeireden wollen, gibt es in diesem Fall aber auch Stimmen, die auf tatsächlich vorhandene Defizite des Standorts hinweisen. So fehlt eine vernünftige Anbindung an die städtische Infrastruktur, die Geflüchteten wären weitgehend isoliert, weil von Einkaufs- und Begnungsmöglichkeiten abgeschnitten. Kurzum: der Standort würde die notwendige Integration der Betroffenen erheblich erschweren. Deshalb hatte auch die Linke Liste Konstanz (LLK) Vorbehalte gegen die Hörnle-Unterbringung geäußert.

Die LLK fordert darüberhinaus vor allem, dass die Stadt endlich Klarheit über andere möglichen Standorte schafft. Am Donnerstag stand das Thema nun auf der Tagesordnung des Haushalts- und Finanzausschusses. Die gutbesuchte Sitzung – Unterbringungsgegner übergaben zu Beginn 549 Unterschriften – blieb nach teils kontroverser Debatte ergebnislos. Eine Entscheidung wird nun erst am 25. Februar im Gemeinderat fallen. Dafür hatte auch die Linke Liste plädiert, damit Raum für eine möglichst breite Debatte vor allem auch über Alternativstandorte bleibt. Wir dokumentieren den Beitrag, den LLK-Stadträtin Anke Schwede bei der Sitzung hielt. – red

WORTLAUT | Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, keine Frage, die adäquate und menschenwürdige Unterbringung von Menschen, die in großer Zahl vor Krieg und Not aus ihrer Heimat fliehen mussten und unserer Hilfe und Solidarität bedürfen, ist für die Linke Liste von großer Bedeutung. Leider ist es aber nicht immer möglich, Plätze zu finden, die die besten Möglichkeiten für eine gelungene Integration bieten, so wie wir uns das wünschen würden. Probleme sehen wir daher bei der geplanten Flüchtlings-Unterkunft beim Helle-Müller-Tennis-Park am Hörnle. Und zwar nicht, weil die Umwandlung der Anlage den Wert oder die Attraktivität des Naherholungsgebietes entscheidend schmälern oder gar bedrohen würde, sondern weil es an diesem Ort an Infrastruktur, Einkaufsmöglichkeiten, Aufenthalts- und Begegnungsmöglichkeiten mangelt. Wo sollen die in der Notunterkunft untergebrachten Menschen einkaufen gehen, die Kinder zur Schule gehen? Im Winter gibt es dort rein gar nichts, im Sommer stünde wenigstens der Hörnle-Kiosk zur Verfügung – der aber bei weitem nicht ausreicht.Ausdrücklich distanzieren will ich mich von den Aussagen „besorgter Bürgerinnen und Bürger“, die Geflüchtete, die Unvorstellbares erlebt haben und es glücklicherweise zu uns geschafft haben, unter einen durch nichts zu rechtfertigenden Generalverdacht stellen und Horrorszenarien an die Wand malen.

Nichtsdestotrotz: Wir bitten um Auskunft darüber, wie es mit der Bewertung und möglichen Nutzung stadtnaher und infrastrukturell besser ausgestatteter Alternativ-Flächen für die Unterbringung von Flüchtlingen aktuell aussieht, wie zum Beispiel das Ravensbergareal an der Schneckenburgstraße, das Telekomhochhaus, das ewige Sorgenkind Kompetenzzentrum und last but not least das Siemensareal.

Anke Schwede


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