Sowas kommt von sowas

01. April 2016  Konstanz

seemoz-C3-600x401Keine Frage, der private Betreiber des neuen Studierendenwohnheims C3 auf dem Chérisy-Areal reizt alle Möglichkeiten aus, die der Gesetzgeber privaten Geschäftemachern mit der Wohnungsnot bietet. Nicht nur, dass er sündhaft teure Mieten ab 430 Euro aufwärts monatlich kassieren und auch in anderen Bereichen den BewohnerInnen tief in die Tasche greifen will. Vorgesehen ist auch ein mehr als fragwürdiges Überwachungssystem, das den AStA der Universität zu Recht an Orwellsche Verhältnisse erinnert.

Ob die C3-Besitzer dabei in verschiedenen Punkten über die gesetzlich zugelassene Abkassiererei und Gängelung hinausgegangen sind, muss selbstverständlich geklärt werden. Der Mieterbund hat auf verschiedene Passagen in den Verträgen hingewiesen, die das durchaus nahelegen. Die Linke Liste Konstanz verlangt von der Stadtverwaltung, dass sie sich umgehend und umfassend juristisch informiert und, sollten Gesetzesverstöße vorliegen, sofort die nötigen Schritte dagegen einleitet. Wir werden zu diesem Thema auf der kommenden Gemeinderatssitzung jedenfalls unbequeme Fragen stellen und Konsequenzen fordern.

Der eigentliche Skandal aber ist, dass Verwaltung und Gemeinderatsmehrheit dieses Projekt, gegen den entschiedenen Widerstand der Linken Liste übrigens, überhaupt erst möglich gemacht haben. Wohl wissend um die in der Stadt herrschende Wohnungsnot, die nicht zuletzt Studierenden zu schaffen macht; hat man unverdrossen wieder einmal auf private Investoren und damit auf die Geldgier gesetzt – und das auf einem Feld, das zum Kernbestand der öffentlichen Daseinsvorsorge gehört. Wer will den Verantwortlichen im Rathaus und den Fraktionsbüros denn eigentlich glauben, dass sie nicht genau gewußt haben, warum Anleger insbesondere in Unistädten die Investition in solche Objekte als neue Goldgrube entdeckt haben.

Als besonders dreist ist zu bewerten, dass noch wenige Tage, bevor der AStA wegen der Mietverhältnisse Alarm geschlagen hat, städtische und universitäre Prominenz gemeinsam mit den Betreibern das fragwürdige Abkassiermodell in den höchsten Tönen gelobt haben. Die Verantwortungsträger feierten damit ein Modell ab, das exorbitant teure Wohnungen als Beitrag zur Linderung des Wohnungsmangels verkauft. Im Ergebnis setzen solche Projekte allenfalls Maßstäbe dafür, was beim Ausquetschen der Betroffenen nach oben alles möglich ist.

Die Linke Liste fordert, dass mit dieser fragwürdigen und unsozialen Stadtentwicklungspolitik endlich Schluss sein muss. Wer die Wohnungsnot bekämpfen will, hat den Wohnungsbau, besonders auch für Studierende, dem Markt zu entziehen. Wir brauchen in dieser Stadt endlich eine sozialpolitische Offensive, die Wohnraum, auch und besonders für Studierende, mit öffentlichen Mitteln im unteren Preissegment schafft.

Anke Schwede, Holger Reile
Linke Liste Konstanz (LLK)


Ein Kommentar zu „Sowas kommt von sowas”

  • kreisch sagt:

    Ja Ja Ja….. Du hast ja recht.
    Aber als Konstanzer kann man es einfach nicht mehr hören. Studenten – Studenten – Studenten. Als Normalbürger mit oder ohne Arbeit gibt es in Konstanz gar nichts mehr zu bemieten, eben weil einfach alles an Studierende vermietet wird und was für die Vermieter ein mords Geschäft darstellt. (Die Vermieter sind dann womöglich noch Stuttgarter) Und es geht ja nicht nur um das Thema Wohnraum – auch alle Jobs und Arbeitsstelllen gehen nur noch an Studenten.
    Der Normalbürger in Konstanz kann in seiner eigenen Stadt nicht mehr existieren – verdrängt von Studis, jedes Semester kommen tausende dazu.

    Und wann ist endlich mal eine Demo von all diesen wohnungslosen Studenten. Warum sind die nicht jeden Tag auf der Straße oder besetzen leerstehenden Wohnraum????
    Haben wir ja früher auch gemacht.
    Nein, sie zahlen lieber anstandslos die vollkommen überteuerten Mieten der Seezeit Neubau Projekte. „Sozialer Wohnungsbau“ ,subventioniert wohlbemerkt – sprich hat der Konstanzer Bürger zu bezahlen. Es ist ein Skandal. Warum gibt es hier keinen Aufschrei, ich meine einen Aufstand ??? Also man hört einfach nichts.
    Vielleicht kann mich mal jemand aufklären, ob es Alternativ Projekte der Studierenden zur katastrophalen Wohnungsnot gibt!!!! Lehmbauhäuser im Ried, von mir aus im Naturschutzgebiet – oder ein Baumhaus Projekt direkt im Uni Wald, oder ein Projekt „Boatpeople“ Leben auf dem Schiff in den Konstanzer Häfen….genug Hafen ist ja vorhanden. …………. Irgendwas kann man von dieser hyper angepassten, zu Leistung und Erfolg schon im Kindergarten getrimmten Generation von G8 Abiturienten doch auch mal verlangen.
    Usw…… usw……
    Nix gegen Studis – aber die Masse machts – nämlich uns Konstanzer stinksauer.
    Und dann immer der Einschub „….besonders für Studenten“…… Nein, im Gegenteil – besonders für die ganz normalen Bürger, die hier leben, deren Familien, Kinder sowie Oma und Opa.

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