LINKE-MdB Annette Groth: „Lohnverzicht bei ZF falscher Schritt“

15. Juni 2016  Region
Warnstreik ZFWerkII

Beschäftigte von ZF in Friedrichshafen im Warnstreik für mehr Lohn. Die Unternehmensführung fordert jetzt Lohnverzicht. (Bild IG Metall)

Annette Groth, Bundestagsabgeordnete der LINKEN aus dem Bodenseewahlkreis, hat die von der Unternehmensführung angekündigten Lohnkürzungen bei ZF kritisiert. Ihre Mitteilung im Wortlaut:

Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt überdeutlich: Lohnverzicht hat letztlich nie zu einer Sicherung von Betriebsstandorten in Deutschland geführt. Lohnverzicht trifft Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer doppelt: Zum einen durch Rückgang ihres Einkommens und zum zweiten, bei der Berechnung von wesentlich niedrigeren Arbeitslosengeldern. Gleichzeitig werden durch Lohnkürzungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Betriebes negative regionale Entwicklungen durch Kaufkraftverlust der lohnabhängig Beschäftigten mit entsprechenden Negativfolgen für die gesamte regionale Wirtschaft in Gang gesetzt.

Ich erwarte vom Vorstand der ZF eine andere Antwort als die angekündigten Lohnkürzungen durch den Abbau von übertariflichen Leistungen und die Senkung von Zuschlägen. Wenn das ZF-Management ein massives Kostenproblem am Stammsitz in Friedrichshafen sieht, hat dies mit den betrieblichen Realitäten nicht viel zu tun. Vielmehr zeigt die ZF seit vielen Jahrzehnten, dass sie sich mit innovativen Produkten gut auf dem Markt behaupten kann.

Typisch für die Ankündigungen des Managements der ZF ist, dass alle Vergütungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf den Prüfstand gestellt werden sollen, über Einsparungen beim Management, dass für die derzeitige Situation des Betriebes maßgeblich verantwortlich ist, wird jedoch nicht nachgedacht. Deswegen möchte ich anregen, über die Straffung des Managements, Kürzungen der Vergütungen der Manager und die Einsparung von Management-Posten aktiv nachzudenken. Damit könnten innerhalb kürzester Frist Millionen eingespart werden.

Von der Zeppelin-Stiftung und dem Aufsichtsrat erwarte ich, dass sie diese betriebswirtschaftlich falschen Planungen des Managements ablehnt. ZF ist aufgrund seiner gemeinwohlorientierten Eigentümerstruktur und einer starken Arbeitnehmervertretung ein erfolgreiches Beispiel für den Versuch, andere Formen des Wirtschaftens zu ermöglichen. Im letzten Jahr wurde die ZF nicht trotz, sondern wegen dieses Modells 100 Jahre alt – während viele der Konkurrenten längst vom Markt verschwunden sind. Ohne Not soll in Zeiten, in denen die ZF durch die Leistung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von einem Rekordergebnis zum anderen eilte, den Beschäftigten massiv in den Geldbeutel gegriffen werden.

Nachdrücklich unterstütze ich die Forderung der Belegschaft an das Management, sich um Zukunfts- und neue Produktperspektiven für den Stammsitz zu kümmern. Der zukünftige Wegfall des Kunden MAN resultiert aus einer strategischen Entscheidung des VW Konzerns, nicht aus mangelnder Wettbewerbsfähigkeit des Häfler Standortes.

Statt auf Lohnkürzungen zu setzen, sollte sich die Unternehmensführung darauf konzentrieren, durch Investitionen in den Produktions- und Entwicklungsstandort für einen nachhaltigen Erfolg durch innovative Produkte zu sorgen. Nachhaltiger Erfolg und auf Dauer sichere Arbeitsplätze sind die eigentliche Aufgabe des Managements. Nur wenn das Management dieser Verantwortung nachkommt, wird es seiner Aufgabe gerecht.


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