„Für Singen“-Kundgebung: RednerInnen greifen „grob fahrlässige“ Stadtplanung an

30. Juni 2016  Region, Singen

ece-kundgebung-29-06-16Erneut gingen am Mittwoch um die 130 Menschen in Singen auf die Straße, um gegen die Pläne des Hamburger Großinvestors ECE für eine Shoppingmall am Bahnhof zu protestieren. Es war die letzte Kundgebung der Initiative „Für Singen“ vor dem Bürgerentscheid am 17. Juli. Initiativensprecherin Regina Henke erklärte, viele Bürgerinnen und Bürger hätten seit dem Votums des Gemeinderats für das überdimensionierte Zentrum das Vertrauen in die Stadträte verloren. Sie erinnerte an das Scheitern ehrgeiziger Projekte der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GVV, die deshalb in der Insolvenz endete.

Ein Beispiel dafür sei das einst von der Politik hochgejubelte Conti-Hochhaus: Das Gebäude müsse nun mit viel Steuergeld zurückgekauft werden, damit man es dann für einen weiteren Millionenbetrag abreißen lassen könne. Henke kritisierte, die Stadt Singen habe aus den vielen Negativbeispielen nichts gelernt und forderte, mit solchen nicht zu Ende gedachten Projekten müsse endlich Schluss sein.

Andreas Pfleger von der Apotheke Sauter ging ebenfalls hart mit der Stadt ins Gericht. Er verwies darauf, dass die Frage der Mehrbelastung der Singener Innenstadt durch das zu erwartende erhöhte Verkehrsaufkommen nicht gelöst sei. Sauter kritisierte, alle zur Entscheidungsfindung vorliegenden Gutachten und Zahlen stammten direkt oder indirekt von ECE selbst. Trotzdem sei klar, dass rund 11.000 zusätzlicher Autos am Tag – umgerechnet um die 1.500 pro Stunde – und lediglich 450 Parkplätze im Einkaufszentrum zu massivem Suchverkehr und damit einer enormen Zunahme der Verkehrsbelastung führen würden. Vor allem an Samstagen, ist Pfleger überzeugt, sei das „totale Chaos“ vorprogrammiert. Er verdeutlichte das mit dem ironischen Hinweis auf den Autokorso von Fußballfans nach dem Sieg Italiens bei der EM: Mit solch‘ chaotischen Verhältnisse wären die SingenerInnen künftig jeden Samstag konfrontiert. Der Apotheker kritisierte, die Stadtverwaltung agiere bei der Stadtentwicklung mit „grober Fährlässigkeit“, eine vorausschauende Planung, die den Bedürfnissen aller Bürger diene, lasse sie nicht erkennen.

Mit dieser letzten Kundgebung ist der Wahlkampf der Initiative aber nicht beendet. Bis zum 17.7. informiert „Für Singen“ jeden Samstag auf dem Wochenmarkt über die ECE-Pläne und ihre Argumente gegen den den Einkaufs-Koloss. Am 5. Juli findet außerdem noch eine Podiumskiskussion des Bürgerforums der Stadt Singen in der Ekkehardschule statt, bei der neben Vertretern von Stadt, ECE und der Pro-Initiative auch „Für Singen“ präsent sein wird. Regina Henke entlässt die KundgebungsteilnehmerInnen mit einem Appell, sich am Wahlkampf zu beteiligen. Jede Stimme gegen ECE ist eine Stimme für eine lebenswerte Stadt.

jüg


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