Warnstreiks bei Kaufland in Konstanz und Radolfzell

16. Juni 2017  Baden-Württemberg, Konstanz, Region

verdi-logo-warnstreikKundInnen, die heute und morgen bei den Niederlassungen des Kaufland-Konzerns in Konstanz oder Radolfzell einkaufen wollen, werden sich zuerst einmal mit streikenden Beschäftigten konfrontiert sehen. Die Gewerk­­schaft ver.di ruft an beiden Tagen zum Warnstreik auf, um in der Tarif­runde Druck auf die Handels-Unternehmer zu machen, die seit Anfang April bei wichtigen ver.di-For­de­run­gen beharrlich mauern.

Die Dienstleistungsgewerkschaft will das nach dem Brückentag erwartete höhere Kundenaufkommen nutzen, um auf schlechtbezahlte Jobs und miese Arbeitsbedingungen im Handel aufmerksam zu machen. „Immer längere Öffnungszeiten mit immer weniger Personal“ führten zu zunehmender Hetze und Arbeitsdruck, heißt es im Streikaufruf. Dazu zahlten Einzelhandelsbetriebe häufig kein Tarifgehalt, was für viele Beschäftigte „Armut trotz Arbeit“ bedeute. „Auch wir im Einzelhandel brauchen mehr Geld und sichere Tarifverträge. Die Konzernherren schwimmen im Geld – und wir ersaufen in Arbeit!“

Neben einer Einkommenserhöhung von 6 Prozent für alle Beschäftigte und 100 Euro mehr monatlich für Auszubildende will ver.di deshalb den Handels-Unternehmern einen tariflichen Mindestlohn von 1900 Euro abtrotzen, verbunden mit der Verpflichtung, Tarifverträge generell als verbindlich anzuerkennen. Vor allem gegen die Festlegung einer Mindestlohngrenze in Verbindung mit der Tarif-Verbindlichkeitserklärung wehren sich die Arbeitgeber seit Beginn der Verhandlungsrunden am 1. April mit Zähnen und Klauen.

Stattdessen boten sie nach langem Zögern eine „verstetigte Einmalzahlung“ von 150 Euro jährlich an, die für die vielen Teilzeitbeschäftigten zudem nur anteilig gelten soll. Ansonsten will man die Belegschaften mit gerade mal 1,5 Prozent mehr Geld ab dem 1.6. abspeisen und 2018 den Einkommenszuwachs gar auf 1 Prozent deckeln. Ein Angebot, das angesichts der erwarteten Teuerungsraten allen Beschäftigten Reallohnsenkungen zumuten würde, Lohnuntergrenze und Tarifverbindlichkeit hätten sich die Unternehmer damit erneut vom Hals geschafft.

Eine Ohrfeige für die Lohnabhängigen im Einzelhandel also, die ver.di nicht hinnehmen will. Verhandlungsführer Bernhard Franke: „Die Arbeitgeber wollen eine Senkung der Reallöhne durchsetzen, obwohl im Einzelhandel immer mehr Beschäftigte kaum noch von ihren Löhnen leben können; das Prinzip arm trotz Arbeit mit programmierter Altersarmut breitet sich aus. Das werden sich die Beschäftigten nicht gefallen lassen, die Streiks werden mit Nachdruck fortgesetzt.“

Schon am 31. Mai, dem Brückentag nach „Himmelfahrt“, hatte die Gewerkschaft deshalb mit einer Warnstreikwelle Druck gemacht. Landesweit nutzten Einzelhandels-Belegschaften die umsatzstarken Tage, um mit Aktionen und Arbeitsniederlegungen dem Ärger über das schlechte Angebot der Arbeitgeber Luft zu machen. Rund 1300 baden-württembergische Handelsbeschäftigte traten ganztägig in den Ausstand, auch in den folgenden Wochen kam es landauf, landab immer wieder zu Streiks.

Jetzt haben die Proteste auch die Region erreicht. Am Freitagmorgen werden die Streikenden vom Radolfzeller Kaufland aus zum Bahnhof ziehen und den Zug nach Konstanz besteigen. Vor der dortigen Niederlassung wollen die Beschäftigten beider Standorte auf ihre Anliegen aufmerksam machen und mit Flugblättern PassantInnen und KundInnen informieren, bevor sie den ersten Tag ihres Arbeitskampfs um 11 Uhr mit einer Streikversammlung vor dem DGB-Haus in der Beyerlestraße beenden. „Wir arbeiten flexibel jeden Tag von frühmorgens bis spätabends und erarbeiten für unsere Läden beste Umsätze. Für diese gute Arbeit erwarten wir Respekt und eine entsprechend faire und gerechte Bezahlung“, fasst das Streikflugblatt das Anliegen der Beschäftigten zusammen. Sie haben unsere Unterstützung mehr als verdient.

J. Geiger


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