Startseite arrow Startseite arrow Konziljubiläum: „Wir müssen ein Feuer entfachen…“
Konziljubiläum: „Wir müssen ein Feuer entfachen…“ Drucken E-Mail
Samstag, 26. Juni 2010
Herr Oberbürgermeister, Kolleginnen und Kollegen,
das sogenannte Konziljubiläum wirft seine Schatten voraus. Dazu auch von unserer Seite einige Anmerkungen.
Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man an ein Ereignis erinnert, dass hier vor knapp 600 Jahren stattgefunden hat und das aus unterschiedlichen Gründen durchaus von Wichtigkeit war. Die Frage allerdings ist: Wie erinnern wir? In welchem Umfang? Und mit welchem Aufwand?
Uns ist schon sehr daran gelegen, dass das Jubiläum auch kritisch beleuchtet wird. Denn einer Mehrheit der Bevölkerung war damals sicher nicht zum Feiern zumute – stand sie doch überwiegend unter der Fuchtel von weltlichen und geistlichen Menschenschindern, deren Tagesgeschäft weitgehend darin bestand, das gemeine Volk zu knechten und auszubeuten.
Wir gehen mal davon aus, dass diese Tatsache vor Ort ab 2014 nicht unter den Tisch fällt, sondern bei der historischen Betrachtung breiten Raum einnimmt.
Wenn nun die Landesregierung Gelder für die Ausstellung im Konzil bereit stellt, ist dagegen nichts einzuwenden. Ob es sich die Stadt Konstanz aber leisten kann, dafür 500 000 Euro zuzuschießen, ist doch sehr fraglich. Wie wir alle wissen, werden wir uns die kommenden Jahre damit abfinden müssen, dass es kaum mehr finanziellen Spielraum gibt. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, das Notwendigste für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt aufrecht zu erhalten – für finanzielle Abenteuer und sonstige Träumereien wird es keinerlei Spielraum geben.
Bleiben wir doch bitteschön auf dem Teppich und beschränken uns auf das Nötigste und auch Sinnvollste: Eine Landesausstellung im ersten Halbjahr 2014 scheint eventuell machbar, ebenso die angedachte Ausstellungskooperation des Rosgartenmuseums und des Archäologischen Landesmuseums zum Thema „Lebenswelten zur Konzilzeit“.
Bei anderen so genannten Projektideen drängt sich für mich der Verdacht auf, dass hier einige der Meinung sind, man könne über den Zeitraum von immerhin fünf Jahren ein Kostümfest rund um die Uhr veranstalten, quasi als verlängerte Fasnacht.
Das geplante Belehnungsfest beispielsweise wird jetzt schon vollmundig als – Zitat - „Ein Projekt Konstanzer Bürger“ - bezeichnet, das regelmäßig auf dem Obermarkt aufzuführen sei – und – ebenfalls Zitat: „alle Bürgerinnen und Bürger einbinden soll, um sie für die Konzilidee zu begeistern“. Ich plädiere nachdrücklich dafür, realistisch zu bleiben und das gesamte Wunschprogramm gehörig abzuspecken, auf den inhaltlichen Prüfstand zu stellen und finanziell durchzukalkulieren.
Nichts gegen Ideenvielfalt, aber es geistert vieles durch den Raum, was schlichtweg nicht machbar sein wird, außer man findet Sponsoren, die das Geld säckeweise nach Konstanz schleppen : Brauchen wir tatsächlich den Nachbau eines alten Lastenseglers oder die Einrichtung eines Handwerkerdorfes ?– um nur einige Vorschläge herauszupicken.
Noch mal: Spätestens nächstes Jahr bricht aufgrund der Finanzlage auch bei uns ein sehr großes Zähneklappern aus – also fahren wir doch die Ansprüche für das Konziljubiläum herunter und vermeiden es, bereits jetzt unangemessen abzuheben, Begehrlichkeiten zu wecken und Wolkenkuckucksheime zusammen zu schustern.
Zwei Punkte noch: Mehrmals wurde der Wunsch geäußert, zum Thema Konziljubiläum noch vor der Sommerpause eine Arbeitsgruppe zu bilden, in der auch Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen vertreten sein sollen. Ich gehe mal davon aus, dass in dieser Arbeitsgruppe auch Platz ist für uns und die beiden Einzelkämpfer hier. Diesbezüglich erwarten wir ein klares Signal.
Zum Schluß eine Bemerkung Richtung Papstbesuch. Wenn das tatsächlich eine Projektidee sein sollte, dann bitte ich um sofortige Streichung dieses Vorschlags. Wir zumindest legen keinerlei Wert auf den Besuch Herrn Ratzingers und die überwiegende Mehrheit der Konstanzer wohl auch nicht. Warum sollten wir einen ungeheuren, auch finanziellen Aufwand betreiben, um einen rückwärtsgewandten Kirchenfürsten und Hardliner hierher zu locken, der mit den Holocaustleugnern der Pius-Bruderschaft sympathisiert und dessen Glaubensgemeinschaft ethisch und moralisch so ziemlich am Ende ist.
Vorschlag: Das sparen wir uns und verweisen auf den erfreulichen Umstand, dass ein papstähnlicher Gnom bereits im Konstanzer Bahnhof sitzt und sich dort offensichtlich auch recht wohl fühlt. Da nun die Landeszuschüsse für die Ausstellung zugesagt wurden, können sich die Aufsichtsratsmitglieder der Tourist-Information nächsten Mittwoch also getrost für den Verbleib der Lenk-Figur.

Holger Reile
Letzte Aktualisierung ( Samstag, 26. Juni 2010 )
 
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