| Wilhelm-von-Scholz-Weg endlich umbenennen |
| Freitag, 15. Januar 2010 | |
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Eine Mehrheit der Konstanzer Bevölkerung und auch des Gemeinderates ist dafür, den Scholz-Weg umzubenennen. Bis zum letzten Kriegstag gebärdete sich der Dichter als geifernder Antisemit und bekannte sich zum Nationalsozialismus. Noch kurz vor Ende des Krieges forderte Scholz in einem Zeitungsartikel die hiesige Jugend auf, sich für das mörderische NS-System abschlachten zu lassen. Die Umbenennung des Weges ist überfällig. Am 18.Januar wird die Straßenbenennungskommission darüber beraten. Offensichtlich will man den Scholz-Weg in Herrmann-Hesse-Weg umbenennen. Das ist uns von der LLK zu dürftig und auch zu einfallslos. Gerade bei einer Entscheidung, die eng verbunden ist mit dem historischen Gewissen einer Stadt, sollte sorgfältiger vorgegangen werden. Nichts gegen Herrmann Hesse, der erklärter Antifaschist war. Wir aber plädieren dafür, bei der Umbenennung vor allem an Konstanzer Bürgerinnen und Bürger zu erinnern, die für ihren Mut mit ihrem Leben bezahlen mussten. Wir möchten hier nur an einige wenige erinnern und die Kommission auffordern, deren Schicksale bei der Umbenennung zu berücksichtigen. – Das Konstanzer Ehepaar Risch, damals wohnhaft in der Scheffelstraße 8, hat sich offen gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen und wurde daraufhin von Mitarbeitern ihres eigenen Betriebes denunziert. Der Volksgerichtshof verurteilte die Konstanzer wegen sog. defaitistischer Äußerungen und Wehrkraftzersetzung Ende 1943 zum Tode durch das Schafott. – Oder das Konstanzer Ehepaar Durst aus der Turnierstraße 26. Zwar gibt es nicht sehr viele Unterlagen, doch klar ist: Schon in den dreissiger Jahren brachten die beiden politisch Verfolgte über die Grenze in die Schweiz und schmuggelten illegale Druckschriften von der Schweiz nach Deutschland. Die Dursts haben fast täglich ihr Leben riskiert und wurden dafür von der Gestapo im Mai 1938 verhaftet, eingesperrt und abgeurteilt. Über ihr späteres Schicksal ist sicher in Archiven mehr zu erfahren. Soweit nur einige Beispiele, von denen es, bei solider Recherche, noch mehrere gibt. Gerade dieser Weg, der immer noch an einen überzeugten Nationalsozialisten erinnert, sollte den Namen von mutigen Konstanzerinnen und Konstanzern tragen, die vor Ort couragiert gehandelt haben. Engagierte Regionalgeschichtler würden der Kommission und dem Gemeinderat sicher zuarbeiten, auf ihre Dienste sollte unserer Meinung nach nicht verzichtet werden. Holger Reile Stadtrat LLK |
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| Letzte Aktualisierung ( Freitag, 15. Januar 2010 ) |