Lenk-Figur: „Das Theater muss ein Ende haben“
Freitag, 04. Juni 2010
Der Disput um das gaukelnde Päpstlein in der Konstanzer Mobilitätszentrale steuert einem neuen Höhepunkt entgegen. In Bälde will der TIK-Aufsichtsrat, erneut unter Ausschluss der Öffentlichkeit darüber beraten, was nun mit Lenks Figur geschehen soll. Mittlerweile ist längst klar, dass bei dieser für die Stadt peinlichen Farce CDU-Landes- und Lokalpolitiker die Strippen ziehen. Ebenso deutlich scheint zu sein, dass TIK und Stadtverwaltung unter Druck gesetzt wurden. Mehrmals schon hat die LLK um Aufklärung gebeten, wer genau auf wen Druck ausübt. Geht es um Landeszuschüsse für die Landesausstellung 2014? Doch die Verantwortlichen verstecken sich hinter einer Mauer des Schweigens und glauben, sie könnten die Angelegenheit aussitzen.
Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung schüttelt über diese groteske Situation nur noch den Kopf. Hundertschaften pilgern wöchentlich zum Konstanzer Bahnhof, um das gaukelnde Päpstlein zu fotografieren. Landestouristiker haben wissen lassen, eine bessere Werbung könne sich Konstanz gar nicht wünschen und plädierten für den Verbleib der Skulptur.Wer vor Ort einen Kritiker der Skulptur sucht, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen.
Nach einem Gespräch zwischen Peter Lenk und OB Frank wurde vereinbart, die Figur bis zur nächsten TIK-Aufsichtsratssitzung stehen zu lassen. Lenk fordert aber, diese Sitzung müsse öffentlich sein. Die LLK schließt sich dieser Forderung an, denn aus der ursprünglichen kulturellen Provinzposse ist längst ein Politstück in mehreren Akten geworden. Erstaunlich finden wir auch, dass sich die Fraktionen von SPD und FGL bislang nicht dazu geäußert haben. Beide haben Vertreter im TIK-Aufsichtsrat und es wäre wünschenswert, wenn von dieser Seite endlich etwas zur Sache zu vernehmen wäre.
Auch OB Frank wäre gut beraten, endlich Klarheit zu schaffen. Gegenüber Lenk hat er eingeräumt, es habe "Gespräche gegeben". Worüber und von welcher Seite? Dass er nun plötzlich ebenfalls der Meinung ist, Lenks Päpstlein verletze religiöse Gefühle, ist absurd und an den Haaren herbei gezogen. Sogar Kirchenvertreter plädieren mittlerweile dafür, das umstrittene Objekt im Bahnhof zu lassen. Wie es um die angebliche Verletzung religiöser Gefühle bestellt ist, dokumentiert die Aussage des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann. In einem Radiointerview ließ er kürzlich wissen, es sei egal (!), ob die Figur einen Gaukler oder einen Papst darstelle - viele Bürger sähen ihre religiösen Gefühle verletzt. Zudem verwies Hoffmann darauf, dass im Vorfeld der Jubiläumsfeiern zum Konzil in Konstanz die Aufstellung der kirchenkritischen Statue ein falsches Signal sei. Ein zwar verworrener, aber überaus deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl.
Die LLK fordert die Verantwortlichen auf, die kommende Aufsichtsratssitzung in den Ratssaal zu verlegen und öffentlich zu diskutieren, wie es sich für ein demokratisches Gemeinwesen gehört. Es kann ja nicht sein, dass eine kleine Gruppe von bigotten und konservativen Skulpturenstürmern die Sache unter sich ausmauschelt und dafür sorgt, dass Konstanz auf der bundesweiten Peinlichkeitsskala einen dauerhaften Spitzenplatz einnimmt.

Holger Reile
DIE LINKE.Liste Konstanz
Letzte Aktualisierung ( Freitag, 04. Juni 2010 )